Tim Klinger

Vuelta Tagebuch

 

Schlussetappe Vuelta a Espagna

23.09.2007

Super, ich habe es geschafft und bin zum ersten Mal eine dreiwöchige Rundfahrt durchgefahren. Heute stand nur noch die kurze Schlussetappe auf dem Programm.

Nach etwa 60 Kilometern einrollen bei einem dreißiger Schnitt, gaben wir dann doch noch einmal auf den letzten Kilometern gas. Die Sprinter konnten noch mal zeigen was sie drauf haben und dann war es auch schon vorbei.
So viel Zeit wir auf den ersten ruhigen Kilometern der Etappe zum quatschen hatten, so kurz und schmerzlos war das Verabschieden von allen Fahrern und Betreuern aus unserem Team, da wir uns beeilen mussten, um unseren Flieger zu bekommen.

Mein Hauptziel die Rundfahrt zu beenden habe ich also erreicht. Meine persönlichen Highlights waren die Königsetappe nach Andorra und das zweite Einzelzeitfahren. Bei der schweren Bergankunft in Andorra war es ein 26. Platz, der meine Kletterqualitäten bewies und beim Einzelzeitfahren der 20. Platz, der zeigte, dass ich ein guter Zeitfahrer bin und auch noch nach drei Wochen „Power“ habe.
Wenn das nicht mein Talent zum Rundfahrer deutlich macht…!? :–)
Das lässt mich doch zurecht hoffen auf mehr in den nächsten Jahren.
Jedenfalls bin ich glücklich und zufrieden mit meinem persönlichen Ausgang bei der Vuelta.

Nun freue ich mich auf Zuhause und hoffe mich gut zu erholen, da ich noch ein paar Rennen dieses Jahr fahren möchte.

 

20. im Einzelzeitfahren

22.09.2007

Eigentlich hatte ich mir nicht viel für das 20 Kilometer lange Zeitfahren am heutigen Nachmittag vorgenommen.

Noch mittags beim Abfahren der Strecke fühlte ich mich einfach müde und schlapp von den Strapazen der letzten drei Wochen und nahm mir das Ziel nur gesund mit einem guten Rhythmus durchzukommen.

Beim Warmfahren kurz vorm Start auf der Rolle merkte ich, wie die Anspannung stieg und meine Beine „leichter“ wurden. Als ich zum Start rollte war ich sogar schon richtig heiß auf das Rennen. Wie es losging, ich mich nach dem ersten Kilometer richtig gut fühlte und nichts von der Entzündung im Oberschenkel spürte, dachte ich mir: „Ok, ich versuch es heute und fahr voll!“

Raus kam ein 20. Platz. Nach den schwierigen Tagen mit der Entzündung ist das für mich persönlich einfach großartig.
Groß gefeiert wird wohl heute noch nicht, aber trotzdem habe ich heute einen schönen Geburtstag gehabt.

Morgen ist die Schlussetappe. Ich rechne mit einem ruhigen Start und schnellen letzten 40 Kilometern.

 

Die letzte schwere Bergetappe

21.09.2007

Heute hieß es noch einmal „Alarm“ für uns, denn es waren drei Berge der dritten, einer der zweiten und zwei der ersten Kategorie zu überfahren. Verteilt waren die Anstiege auf nur 133 Kilometern.

Kurz hieß aber nicht einfacher, denn es wurde noch schneller gefahren und noch mehr attackiert. Außerdem ist die Karenzzeit kürzer, da diese prozentual von der Siegerzeit errechnet wird. Dazu kam das schlechte Wetter. Viel Regen und damit auch kühlere Temperaturen. Nicht unbedingt gut für meine Entzündung an der Sehne.

Ich war mir aber sicher, dass die Karenzzeit kein Problem wäre, wenn das Bein halten würde. Nach etwa 80 Kilometern hartem Kampf und der Gewissheit, das Ziel nun rechtzeitig zu erreichen. ließ ich mich mit einer großen Gruppe zurückfallen und beobachtete an den letzten schweren Anstiegen die Schmerzen in meinem Bein.

Es wurde nicht schlimmer und ich beendete auch noch diese sehr letzte Bergetappe.

 

 

Wieder einen Tag geschafft

20.09.2007

Wenn ich ehrlich bin, hatte ich heute vorm Start große Sorge, ob mein Bein die Belastung der schweren Berge aushalten würde. Ich hab es aber geschafft und bin noch immer im Rennen. Mein Physio Christian hat wirklich alles Mögliche getan und mich gestern bis halb zwölf nachts und noch mal heute nach dem Frühstück behandelt.

Ich bin mir sicher, dass ich ohne ihn bereits wieder in Deutschland wäre.
Jetzt ist es noch der morgige schwere Tag den ich überstehen muss. Dann ist es nicht mehr weit bis Madrid.

Noch drei Etappen und lächerliche 257 Kilometer.

 

Ich bin noch dabei

19.09.2007

Die heutige Etappe war wie ein Geschenk. Das war wohl der bisher ruhigste Tag der Rundfahrt. Ich konnte mein Bein schonen und bin fast schmerzfrei ins Ziel gekommen. Jetzt behandelt mich wieder unser Physiotherapeut Christian bis spät in die Nacht, um mich wieder fit zu machen. Ohne ihn hätte ich wahrscheinlich schon heute aussteigen müssen.

Morgen die Etappe wird allerdings kein Kinderspiel.

 

Bekannte Probleme

18.09.2007

Etwa nach der Hälfte der heutigen Etappe spürte ich wieder dieses leichte Zwicken am hinteren Oberschenkel. Ich habe versucht die letzten Kilometer so ruhig, wie nur möglich zurückzulegen und ließ das Feld sogar ein paar Kilometer vor dem Ziel ziehen, obwohl das Tempo nicht sehr hoch war.

Mein Physiotherapeut bestätigte meine Befürchtung, dass ich wieder eine leichte Entzündung habe. Ich hoffe, dass es noch nicht zu schlimm ist und ich morgen nicht das letzte Mal bei dieser Vuelta am Start stehe.

 

Ein schöner Ruhetag

17.09.2007

Lange schlafen, in Ruhe frühstücken, gemütlich zwei Stunden radfahren, im Café entspannen, Mittagessen, noch ein Stündchen schlafen, Massage, Abendessen. Viel mehr hatte ich heute nicht zu tun. So sieht doch ein gelungener Ruhetag aus.

Erfreulich ist auch, dass wir wieder ein gutes Hotel haben. Ich weiß nicht, ob wir bei dieser Vuelta in dieser Angelegenheit bisher einfach Glück hatten, jedenfalls geht die Hotelwertung im Vergleich zu Frankreich und Italien eindeutig nach Spanien. Am schönsten von unseren Unterkünften waren bisher eine schöne alte Finca und ein ehemaliges altes Kloster, aber auch hier in Granada im Vier-Sterne Hotel lässt es sich aushalten.

 

Zweite Woche geschafft

16.09.2007

Der Beginn der heutigen Etappe war zwar nicht so schwer wie gestern, trotzdem dauerte es eine weile bis sich eine große Gruppe lösen konnte.
Im Feld hieß es dann aber nicht lange durchatmen, da schon bald die Mannschaft von Euskatel mit der Nachführarbeit begann und die Gruppe den ganzen Tag jagte.

Am letzten schweren Anstieg des Tages wurde die Gruppe gestellt und die Favoriten der Gesamtwertung bekämpften sich.
Da ich heute nicht die guten Beine von der Andorra Etappe hatte, versuchte ich erst gar nicht mitzugehen und gleich am Beginn dieses letzten Anstieges orientierte ich mich eher nach hinten und fand eine große Gruppe mit welcher ich ins Ziel rollte.

Morgen haben wir den zweiten Ruhetag. Da wir keinen Transfer haben, können wir uns bestimmt besser entspannen, als am ersten Ruhetag.
Dann warten noch sechs Etappen in der dritten Woche der Rundfahrt auf uns.

 

Rasante Anfangsphase

15.09.2007

Bei der heutigen Etappe mussten wir zwar nicht die höchsten Berge bezwingen, dafür ging es vom Start an nur rauf und runter. Wir haben wahrscheinlich mehr Höhenmeter gemacht, als bei jeder anderen richtigen Bergetappe.

Die Befürchtung, dass wir heute einen sehr schweren Tag vor uns haben würden, war nicht falsch. Das Tempo war die ersten zwei Rennstunden so hoch, dass viele Fahrer abgehängt wurden und einige das Feld nicht mehr wieder sahen und ausstiegen.
Nach etwa 80 Kilometern stand endlich eine Ausreißergruppe aus elf Fahrern, die den Tagessieg unter sich ausmachen sollten. Von uns war Schumi dabei. Von da an war das Tempo im Feld kontrolliert und wir konnten durchatmen und Schumi die „Daumen drücken“.
Schumi wurde dritter. Wie alle erzählten, war er der Stärkste, aber der gewinnt im Radsport halt nicht immer.

Der heutige Tag war meiner Meinung nach ein großer Schritt Richtung Madrid. Wenn man an so einem Tag schlechte Beine zu Beginn hat und das Tempo nicht mitgehen kann, kann es schnell vorbei sein.
Jetzt sind es „nur noch“ sieben Etappen.

 

Rutschpartie durch Spanien

14.09.2007

In Spanien ist das Wetter auch nicht immer schön. Heute schüttete es, wie aus Eimern, es donnerte und blitzte. Die spanischen Straßen sind anscheinend nicht für derartige Regenfälle geeignet, denn Wassermassen kamen uns an den Anstiegen entgegen, so dass die Räder zentimetertief verschwanden. Wie auf rohen Eiern bewegten wir uns fort, da die Straßen spiegelglatt waren.

Es gab viele Stürze. Leider erwischte es auch meinen Teamkameraden Oli und auch meinen Zimmerkollegen Markus sogar gleich zweimal.


Heute schaffte es eine kleine Ausreißergruppe ins Ziel. Unser junger Holländer Tom Stamsnijder war auch dabei. Als klar war das die Gruppe ankommt, drückten wir alle von Gerolsteiner Tom zumindest gedanklich fest die Daumen.

Tom wurde knapp geschlagen und zweiter. Eine super Leistung!

 

Zum ersten Mal zwölf Etappen

13.09.2007

Beim Giro d’Italia war die zwölfte Etappe meine letzte. Dort stieg ich nach etwa 60 Kilometern verletzt vom Rad. Auch wenn ich heute nicht unbedingt die besten Beine hatte, schaffte ich die zwölfte Etappe der Vuelta problemlos.

Damit ist diese Rundfahrt für mich die längste, die ich bisher gefahren bin.

Problemlos? Nach etwa 50 Kilometern stürzte vor mir ein Rennfahrer, schoss über die Straße von rechts nach links und sein Rad flog wieder zurück zur rechten Seite genau vor mein Rad. Ich weiß nicht genau wie, aber ich fuhr über das Rad des gestürzten Fahrers und verhinderte einen Sturz indem ich elegant vom Rad stieg. Markus Fothen und Torsten Hiekmann sahen das Schauspiel und scherzten ein wenig, wie seltsam meine Aktion ausgesehen hatte. Ich konnte jedenfalls mitlachen, weil alles gut ausgegangen war.

Wieder gab es einen Massensprint mit dem zweiten Sieg von Petacchi.

 

Eine ruhige Etappe

12.09.2007

Während der 191km langen elften Etappe gab es für mich nur zwei kleinere „Aufreger“.
Gleich zu Beginn der Etappe merkte ich, dass mein Steuersatz nicht ganz fest ist. Nach kurzer Absprache mit unserem italienischen Mechaniker Claudio im Begleitfahrzeug, hielt ich kurz „für kleine Jungs“ an und als ich wieder soweit war, stand mein Rad zur Weiterfahrt schon bereit.

Der zweite „Aufreger“ an diesem Tag war die Abfahrt nach der zweiten Bergwertung. Es hatte etwas geregnet und die Straßen waren seit vielen Tagen zum ersten Mal wieder nass geworden. Das heißt für Spanien: Vorsicht, es könnte spiegelglatt sein. Aber alle Fahrer gingen die Sache vernünftig an und mit etwas Vorsicht steuerten wir sicher ins Tal.

Beim Massensprint, den Petacchi gewann hielt ich mich komplett raus und wieder hatte ich eine Etappe auf dem Weg nach Madrid überstanden.

 

Endlich Ruhetag

11.09.2007

„Reisetag“, wäre eine bessere Bezeichnung für den heutigen Tag gewesen. Um kurz nach acht reisten wir bereits aus Andorra ab. Wir hatten knappe 500 Kilometer bis zum nächsten Hotel in Oropesa, einem Ferienort am Mittelmeer, vor uns.

Während der Busfahrt schauten wir uns einen schönen Film an. Unser Bus hat nämlich drei Flat-screens und einen DVD-Player an Bord.
Etwa 60 Kilometer vor unserem Hotel stiegen wir aus und fuhren mit dem Rad weiter. Ein bisschen Radfahren ist auch am Ruhetag wichtig um den Körper auf Touren zu halten.

In Oropesa angekommen setzten wir uns bevor wir ins Hotel gingen in eine Bar am Strand, tranken gemütlich Kaffee und sonnten uns ein wenig.

Als wir im Hotel ankamen, war es schon bald 17 Uhr. Nach einem kleinen Snack, etwas später der Massage und dem Abendessen ging der Tag viel zu schnell vorbei.

 

Bergankunft Andorra

10.09.2007

Einen Berg der zweiten Kategorie auf 1470m, noch einen zweiten Berg dieser Kategorie auf 1350m, einen Berg der ersten Kategorie auf 1720m und den Schlussanstieg nach Andorra auf 2200m, eine Streckenlänge von 216km bei großer Hitze mussten wir heute bewältigen.

1997 holte sich Jan Ullrich bei dieser Bergankunft mit einem grandiosen Sieg erstmalig das gelbe Trikot der Tour de France.
So gut, wie damals für Jan Ullrich, lief es zwar heute bei mir nicht, aber ich schaffte es mit einem tollen Rennen viele Leute zu überraschen. Bei dem Anstieg der ersten Kategorie fühlte ich mich so gut, dass ich beschloss heute hoch nach Andorra zu versuchen an den Spitzenleuten dran zu bleiben.

Durch das ewig lange Tal nach Andorra versuchte ich immer bei Oli zu bleiben, der unser Mann fürs Gesamtklassement geworden ist, hielt ihn aus dem Wind und brachte ihn immer wieder in die vordersten Reihen des Feldes. Dadurch hielt ich mich automatisch auch immer vorne auf.
Das Feld wurde von Kilometer zu Kilometer kleiner. Am steilsten Stück des Anstieges attackierte der Italiener Piepoli. Auch da konnte ich noch mitgehen, aber als es schon wieder flacher wurde merkte ich, dass ich überzogen hatte und musste einen kleinen Moment ruhiger machen und die noch etwa 30 übrig gebliebenen Fahrer ziehen lassen. Ich merke schnell, dass die Kraft zurückkam, hatte die Gruppe aller Favoriten auch noch in Sicht, konnte aber nicht mehr aufschließen und fuhr mein eigenes Tempo die letzten acht Kilometer hinauf. Ich überholte noch einige Rennfahrer, verlor auf den Sieger Menchov nur 3:09 Minuten und wurde guter 26..

…Ein 26 Platz im Radsport? Was ist das schon wert? Für einen jungen Rennfahrer wie mich, bei einer so schweren Bergetappe dieser Länge, sehr viel!…

Ich war anschließend sehr zufrieden, viele Leute gratulierten mir und waren beigeistert.

Sogar den Dopingkontrolleuren war meine gute Leistung auch aufgefallen und ich wurde direkt nach der Zieldurchfahrt zur Dopingkontrolle gebeten. Für mich ein Kompliment. :-)

 

Die erste Pyrenäen Etappe

9.09.2007

Die Beine waren heute ganz gut und die ersten Anstiege brachten mich nicht in Schwierigkeiten, obwohl das Tempo heute sehr hoch war und gleich am ersten Berg hart attackiert wurde.
Erst am 13 Kilometer langen Zielanstieg ließ ich die Spitze ziehen und dachte bereits an den morgigen Tag, der der schwerste der Rundfahrt werden könnte.
Über unseren Funk hörte ich noch die begeisterten Anfeuerungsrufe von Reimund Dietzen für Oliver Zaug, der heute einen super Tag hatte und sensationeller fünfter wurde.

Heute gibt es aber noch ein besonderes Ereignis in unserem Team. Markus Fothen hat heute Geburtstag. Da ich mit ihm ein Zimmer teile konnte ich ihm letzte Nacht schon gratulieren. …Ja, wir waren bis 24 Uhr auf. Aber hier bei der Vuelta ist alles etwas später, da ist es nicht ungewöhnlich, dass man so spät ins Bett kommt…
Wir scherzten noch kurz mit Ironie, wie toll wir doch in seinen Geburtstag „reingefeiert“ haben und welch ein angenehmer Tag in den Bergen Spaniens auf ihn wartet.
Eigentlich wollte ihn seine Frau Jessica um neun Uhr mit Glückwünschen telefonisch wecken, aber ihr kamen die Dopingkontrolleure zuvor. Um kurz vor acht klopfte es und wir hatten in wenigen Minuten zur Blutabnahme bereitzustehen. Die Qualen der heutigen schweren Etappe dürften auch nicht auf seinem Wunschzettel gestanden haben, aber vielleicht entschädigten die Torte und der Sekt am Abend ein wenig.

 

Zeitfahren durch eine Mondlanschaft

08.09.2007

Die Gesamtwertung spielt für mich keine Rolle, eine Topplatzierung war auch nicht zu erwarten, also hieß es für mich heute noch einmal meine Kräfte für die nächsten zwei Tage zu schonen.

Die Zeitfahrstrecke war äußerst uninteressant. Es ging die 52 Kilometer fast ausschließlich nur über eine Autobahn und die Umgebung glich einer Mondlandschaft.

Das Milramfahrzeug, welches Petacchi begleitete, konnte ich wegen der endlos erscheinenden Geraden früh sehen. Also konnte ich mich gut damit motivieren, diesen einzuholen. Das funktionierte auch problemlos und ich wusste als ich ihn überholte, dass ich mir um die Karrenszeit keine Sorgen machen muss. Ich fand einen guten Rhythmus und konnte relativ locker ins Ziel rollen.

Als ich nach dem Rennen die Ergebnisse sah, war ich etwas erstaunt. Dafür, dass ich nach meinem Gefühl doch relativ ruhig gefahren war, hatte ich nur 4:45 Minuten auf den Sieger Bert Grabsch von T-Mobile verloren. Das zeigt mir, dass meine Verfassung nach den ersten acht Etappen noch ganz gut ist und motiviert mich für die nächsten schweren Tage.

Morgen ist Krieg angesagt! ;-)

 

Gefährliches Finale

07.09.2007

Nach den schon relativ schweren ersten sechs Tagen hatten wir heute eine leichtere Etappe. Der Wind war zwar stark, aber blies zum Glück die meiste Zeit genau von hinten.

Die Anfahrt zum Zielort Zaragoza führte über eine breite Bundesstraße. Mein Tacho zeigte die letzten 40km nur noch eine Geschwindigkeit zwischen 55 und 70km/h an. Bei diesem wahnsinnigen Tempo passierte es dann: Es knallte laut und schon sah ich eine Traube von Fahrern zu Boden stürzen. Ich konnte zum Glück noch ausweichen.

Der nächste schwere Sturz passierte zwei Kilometer vorm Ziel in einer Baustelle. Wieder war keiner aus meinem Team betroffen. Als wir schließlich durchs Ziel fuhren, waren wir einfach froh den Tag heile überstanden zu haben.

Morgen wartet ein langes Einzelzeitfahren auf uns. Ich habe mir nicht viel vorgenommen und denke schon an die darauf folgenden schweren Bergetappen in den Pyrenäen.

 

Ein sehr schwerer Tag in den Bergen

05.09.2007

Heute war der bisher schwerste Tag der Rundfahrt. Zu Beginn fühlte ich mich noch stark und attackierte einige Male mit. Allerdings sollte sich heute niemand so schnell absetzen können. Andauernde Angriffe hatten natürlich ein extrem hohes Tempo zur Folge. Dazu kam, dass wir drei Berge der zweiten Kategorie und am Ende einen Berg der ersten Kategorie überfahren mussten.
Am letzten Anstieg war klar, dass alle sich noch im Feld befindenden Fahrer das Ziel innerhalb der Karenzzeit erreichen würden und schnell fand sich eine große Gruppe, die ruhig ins Ziel rollte. In dieser Gruppe befand ich mich auch.
Zum Glück folgen jetzt zwei „Flachetappen“, aber flach ist hier in der Vuelta anscheinend kaum ein Meter.
Wie beim Giro ist wieder mal ein Fothen mein Zimmernachbar. Diesmal aber nicht der jüngere Thomas, sondern Markus. Markus war letztes Jahr 15. bei der Tour de France. Er meinte heute nach dem Rennen zu mir, dass die erste Woche bei der Tour nicht so schwer ist, wie bei der Vuelta. Das kann man wohl so kommentarlos stehen lassen.

 

Die erste Bergankunft

04.09.2007

Heute war der erste wichtige Tag für die Gesamtwertungsfahrer. Wir haben zwar hier bei der Vuelta niemanden, der in der Gesamtwertung ganz vorne landen kann, aber ein gutes Tagesergebnis ist immer unser Ziel. Heute war es vor allem Oliver Zaugg, der versuchen wollte so lange wie möglich dabei zu bleiben. Bevor es in den Anstieg hineinging, nahm ich Oli einige Male aus dem Wind und fuhr ihn nach vorne in Position.
Als es in den Berg hineinging, trennte sich schnell die Spreu vom Weizen und viele Fahrer ließen „reißen“. Auch ich machte etwas ruhiger und fuhr mein eigenes Tempo den Anstieg hinauf.

Oli schlug sich achtbar und verlor nur wenig Zeit gegenüber den Spitzenleuten. Für ihn ist nun auch ein guter Platz in der Gesamtwertung möglich.

In den letzten zwei Tagen hatten wir ziemlich lange Transfers, sowohl vor, wie auch nach der Etappe. Besonders heute wurde der Tag sehr lang. Nachdem wir uns nach der Zieldurchfahrt warme Sachen übergezogen hatten, mussten wir den gesamten Schlussanstieg wieder mit den Rädern runter fahren (wie unsinnig, erst quälen wir uns hoch und dann fahren wir den gleichen Weg wieder runter), weil unten unser Bus auf uns wartete, in welchem wir uns dann duschen und umziehen konnten. Ganz wichtig war es schnell etwas zu essen und kohlenhydrat- und eiweißreiche Getränke zu sich zu nehmen.

Währendessen hatte sich der Bus schon längst in Bewegung Richtung Hotel gesetzt. Endlich im Hotel angekommen ging es möglich zügig zur Massage und anschließend gleich zum Abendessen. Allerdings war es dann schon 22 Uhr und der Tag ist nun vorbei.

 

Quickstep attackiert

03.09.2007

Es waren wieder drei Fahrer, die sich am ersten Anstieg ohne große Gegenwehr des Feldes absetzen konnten. Aber auch heute wurden die Ausreißer früh genug eingeholt.

Etwa 30 Kilometer vorm Ziel ging es noch mal einen Berg der dritten Kategorie Hoch. Dort attackierte die Quickstep-Mannschaft. Ich war viel zu weit hinten im Feld, fühlte mich aber trotzdem ganz gut und versuchte die vielen zurückfallenden Fahrer zu überholen, um wieder Anschluss an die erste Gruppe zu bekommen. Das gelang mir nicht ganz und ich rollte mit einer abgehängten Gruppe ins Ziel.

Davide wird Vierter. Wieder ein gutes Ergebnis fürs Team.

 

Sturz im Finale knapp ausgewichen

02.09.2007

Heute sollte es auch wieder einen Massensprint geben, wäre da nicht knapp drei Kilometer vorm Ziel ein Sturz gewesen.
Da es auf den letzten Kilometer leicht bergan ging, versuchten heute nicht nur die Sprinter sondern auch die Gesamtwertungsfahrer ganz vorne anzukommen, da keiner unnötig Zeit verlieren wollte. Das hieß allerdings, dass noch mehr Rennfahrer um die Positionen kämpften und es noch enger und gefährlicher auf den letzten Kilometern wurde.

Dann passierte es auch und ziemlich weit vorne im Feld knallte es. Ich bremste sofort und rutschte auf die bereits am Boden liegenden Fahrer zu. Zum Glück schaffte ich es rechtzeitig zum Stehen zu kommen. Nur meine rechte Schuhplatte nutzte sich etwas ab, da ich rechts ausklickte, um bei der Rutschpartie eine zusätzliche Stütze zu haben. Vorne sprintete nur noch eine kleinere Gruppe um den Etappensieg, aus der Freire schließlich gewann. Erfreulich für uns war der fünfte Platz von Davide.

Alle Rennfahrer die durch den Sturz behindert wurden, bekamen aufgrund einer speziellen Reglung für die letzten drei Kilometer, die gleiche Zeit des Siegers.

Wahrscheinlich geht es morgen zum ersten Mal richtig zur Sache. Gleich vom Start an geht es einen Anstieg der zweiten Kategorie hoch. Es wird sicherlich sehr viel attackiert werden und eine sehr schnelle Anfangsphase geben.

 

Endlich geht es los

01.09.2007

Heute habe ich die erste Etappe der Vuelta hinter mich gebracht. Das Rennen wurde von den Sprintermannschaften kontrolliert und drei Ausreißer wurden früh genug eingeholt, so dass es am Strand von Vigo zu einem Massensprint kam. Da wir keinen richtigen Sprinter dabei haben, haben wir uns aus der Entscheidung um den Etappensieg rausgehalten.

Für uns war das wichtigste Ziel ohne Sturz gesund ins Ziel zu kommen. Das gelang uns auch und wir hatten eine relativ entspannte Flachetappe… Flachetappe? Ja, wenn man sich das Profil im Programmheft der Vuelta anschaut. Aber in Wirklichkeit ging es den ganzen Tag nur rauf und runter…

Schön war die Begeisterung der Fans zu sehen, die vor allem im Start- und Zielbereich zahlreich erschienen waren. Ich würde also nicht sagen, dass die Vuelta tot ist, wie man es in der Presse im Vorfeld oft gelesen hat. Zumindest hier im Norden Spaniens stehen viele Menschen am Straßenrand und jubeln uns zu.

 

Letzte Vorbereitungen vorm Start

31.08.2007

Morgen beginnt die Vuelta a Espagna. Außer der gestrigen medizinischen Kontrolle, nur ein paar Stunden lockerem Training, Massagen und der heutigen Mannschaftsvorstellung haben wir die letzten zwei Tage nicht viel zu tun gehabt. Aber ein wenig Entspannung vor den nächsten drei Wochen Stress kann wohl nicht schaden.

Nun freue ich mich, dass es morgen losgeht. Ich bin sehr motiviert, merke aber, dass ich nicht so nervös bin, wie vorm Start des Giros im Mai. Es ist schon beruhigend bereits einige Erfahrungen bei einer dreiwöchigen Rundfahrt gemacht zu haben.

Morgen wartet auf uns kein Prolog sondern eine 153km lange Etappe mit zwei Bergwertungen der 3. Kategorie. Unser sportlicher Leiter und Spanien Spezialist Reimund Dietzen hat uns geraten diese ersten Etappen im welligen Gebiet nicht zu unterschätzen. Die ersten drei Etappen gehören allerdings zu den leichteren im Programm der diesjährigen Vuelta.